Gabriele Hartmann

Haibun


Stand 18.10.2017: 21 Haibun von Gabriele Hartmann

Brand

August, Rhodt unter Rietburg (Pfalz).

Schwer zu finden, der beschriebene Ort. Irgendwann hörten die Wegweiser auf. Sind wir vorbei gegangen? Ein freundlicher Herr, den wir schließlich nach dem „Südfrüchtegarten“ fragen, vertröstet seine Frau, dann begleitet er uns. Sie winkt, scheint das schon zu kennen.

„Hier fehlt ein Schild“, stellt unser Begleiter fest, als wir den kleinen Park betreten. Er erzählt, wie er als Pfarrer seine Berufung fand, erinnert sich an seinen Freund, einen angesehenen Maler und deutet auf die zentrale Rasenfläche.

„Dort hat er sich mit Benzin übergossen und angezündet. Unter dem Bäumchen wurde die Urne vergraben. Ich dachte immer, wenn es ihm schlecht geht, würde er sich mir öffnen“, bedauert er.

Sommerengel
zwei kleine Mädchen
hinter Sonnenbrillen

(erst "Chrysanthemum" Nr. 22, 10/17, Hrsg.: Beate Conrad)

Fire

August, Rhodt under Rietburg (Palatinate).

Hard to find the described place. Somewhere along the way, the signposts were missing. Have we simply overlooked them? A kind gentleman, whom we finally ask for directions to that “Garden of Tropical Fruits”, comforts his wife, then accom-panies us. She's waving knowingly.

“Right here, there’s a sign missing,” our companion notes when we enter the little garden-park. He tells us how he found his vocation as a pastor, recalls his friend, a respected painter, and points to the central lawn.

“Over there he poured gasoline and lit himself. Right here, under this small tree, his urn is buried. I always thought, when he was feeling bad, he would have told me,” he regrets.

Summer angels
two little girls
behind sunglasses

(erst "Chrysanthemum" Nr. 22, 10/17, Hrsg.: Beate Conrad)

das stumme „H“

Silvy, die zierliche Französin mit dem überlangen Zopf, in den sich mehr und mehr silberne Fäden mischen, wohnt seit Jahren in der Nähe von Heidelberg und spricht fast akzentfrei Deutsch. Nur wenn sie sich aufregt wird ihr „H“ stumm. Seit fünf Monaten ist die Rente aus Frankreich ausgeblieben. Gut, es sind nur 100 €. Aber Grund genug, anlässlich des alljährlichen Verwandtenbesuchs in Lyon bei der zuständigen Stelle vorzusprechen. Natürlich auf Französisch. Der Einfachheit halber habe ich es für Sie übersetzt:
“Sie sind gestorben“, sagte die Angestellte hinter dem Schreibtisch nach einem Blick auf den Monitor und seufzte.
„Ich steh doch hier“, antwortete Silvy und trommelte auf den Tresen.
„Ich aktiviere Sie dann wieder“, meinte die Angestellte und drückte eine Taste. „Einen schönen Tag noch“.
Zwei Jahre später blieb die Rente wieder aus. Silvy rief an.
„Sie sind gestorben“, sagte die Dame am Telefon.
„Schon wieder“, stellte Silvy bedauernd fest und schickte einen Brief, in dem sie feierlich versicherte, noch zu leben. Es vergingen einige Monate. Die Rente blieb aus. Silvy rief wieder an.
„Sie sind gestorben“.
„Ich weiß“, sagte Silvy. „Aber ich habe Ihnen einen Brief geschickt, in dem ich erkläre, noch zu leben.“ „Ein Brief geht nicht“, sagte die Dame am Telefon und seufzte. „Den könnte ja jeder schreiben. Sie müssen schon persönlich hier vorbei kommen.“
„Wie oft soll ich denn bei Ihnen noch persönlich vorbei kommen, bis ich wirklich sterbe?“. Silvy konnte fast über ihre eigene Bemerkung lachen. Fast.
„Alle zwei Jahre“, sagte die Dame ernsthaft. Dann hatte sie eine noch bessere Idee. „Oder ich schicke Ihnen ein Formular. Das geht auch. Denn Sie müssen es persönlich ausfüllen und unterschreiben.“ „Wie lange lebe ich dann mit dem Formular?“, fragte Silvy.
„Zwei Jahre,“ sagte die Dame. „Habe ich Ihnen doch schon gesagt.“

Da steht sie vor mir. Silvy, die zierliche Französin mit dem überlangen Zopf, in den sich in den letzten Jahren noch mehr silberne Fäden gemischt haben. „Ich ’abe jetzt ein Formular“, sagt sie triumphierend. „Ich werde nie mehr sterben, denn ich ’abe es kopiert. Und immer kurz bevor ich sterbe, schicke ich wieder eins ’in!"

Zwillinge
die Orangenpyramide
kommt ins Rutschen


(erst "Lotosblüte" 2017, Hrsg.: Petra Sela, ÖHG)

wilde Vögel

Ich krame im Portemonnaie, werfe die letzten Münzen ein, drücke Grün, entnehme das Parkticket.
„Was kostet es denn?“, fragt eine Fremde.
„40 Cent die Stunde“, gebe ich zur Antwort.
„Ich hab nur 50“, erwidert sie.
„Dann müssen Sie länger bleiben“, entscheide ich schmunzelnd.

Kommandantur
hier lernten die Eltern
sich kennen

„Das Fenster, dort oben. In dem Zimmer habe ich immer geschlafen, wenn ich Großmutter besuchte“, berichtet mein Mann. „Es gibt einen Gewölbekeller, den ich nicht so gerne betrat. In meinen Träumen begegnete ich dort gemeinen Bogenschützen. In der Voliere hielten sie Vögel.“ Die Kusine wird sich später daran erinnern, dass die wilden Vögel tagsüber gefangen wurden und sonntags den Speiseplan bereicherten.

Zum Abschluss ein Friedhofsbesuch. Das Familiengrab wurde bereits zu Lebzeiten gekauft. Das „C.“ steht für Karl. Für die Ehefrau findet sich kein Buchstabe.

Augenmenschen,
die wir sind … im geharkten Kies
poröse Knochen

(erst "Sommergras" 118, 9/17, Hrsg.: DHG)

Versprechungen

Eine deutsche Kleinstadt. In der belebten Fußgängerzone klärt ein junger Mann zwei Mädchen auf. „Zeigt mir mal einen, der seinen Tag nicht übersteht, wenn er ’n Euro abgibt.“
Wir schlendern zum Schloss. Auf dem Rückweg entdecken wir einen unterirdischen Bach, kommen nicht auf seinen Namen.

Mittagsläuten
einem Fenster entströmt
Brandgeruch

Hunger haben wir nicht, aber Durst, betreten den „Holzmichel“ und nehmen an der Theke Platz. Übermütig bestellen wir Festbier. Das Bier schmeckt frisch. Bestimmt nicht das erste, das heute gezapft wurde.

funkelndes Glas
die Kellnerin poliert
ihren Ring

Nah der Tür sitzen zwei vor leeren Krügen.

Teufel: „Es geht ihr wieder besser.“
Tod: „Abwarten.“

Wir zahlen und gehen.
Auf der Straße zupft eine junge Frau an meinem Ärmel. „Haste ma’n Euro?“

(erst "Chrysanthemum" 4/17, Hrsg.: Beate Conrad)

Promissings

A provincial town in Germany. In the lively pedestrian area a guy enlightens two girls: “Show me someone who will not stand his day giving away one Euro.”
We stroll to the castle. On our way back, we discover an underground stream, can't remember its name.

midday-bells
escaping from a window
smell of burning

We don’t feel hunger but thirst, enter the “Holzmichel”, take a seat at the bar. Jaunty we order stout. The beer tastes fresh. Not the first one tapped today, for sure.

glittering glass
the waitress polishes
her ring

Near the door, two fellows are sitting in front of empty tankards.

Devil: “She feels better.”
Death: “Wait and see.”

We pay and leave.
In the street a young woman plucks my sleeve: “Got one Euro to spare?”

(erst "Chrysanthemum" 4/17, Hrsg.: Beate Conrad)

Monogramm

Es wird kälter. In den Bergen soll es sogar Schnee geben. Doch der Regen bleibt Regen. In Sichtweite die Vézère – das Rauschen der Blätter.

Er überträgt den sorgsam ausgearbeiteten Text ins Laptop, kürzt auf Normalmaß, füllt die erste Karte mit prallen Worten, presst großartige Artefakte in winzige Buchstaben: Lascaux II, das auf dem Rücken liegende Pferd.

Bei der zweiten Karte schreibt er von der ersten ab, bei der dritten von der zweiten, bei der vierten merkt er, dass sich einer der Sätze verselbständigt hat. Was zu einem Schaf hätte gehören können, soll nun zu einem werden. Ein Unterschied, so fein, dass das Schaf verunsichert am Zeilenanfang verharrt.

„Ziegen“, sagt sie. „Und Hirsche. Keine Schafe.“

So mutiert das Beinahe-Schaf bei der fünften Karte zum Hirsch. Auf dem Rücken liegt nun eine Kuh.

„Pferd“, sagt sie. Er seufzt. Zudem ist die fünfte Karte kleiner als die vorherigen und für den Gruß bleibt kein Platz. „G.“ passt gerade noch hin.

„Hättest du die Kuh weggelassen, wüssten die Freunde wenigstens, welches Schaf ihnen eine Ansichtskarte schickt. So denken sie vielleicht, dass ich es war.“

gleiche Initialen
ein entwendetes
Löffelchen

Die sechste Karte geht an die unlängst verwitwete Kusine. 
Kürzer der Text, zwischen den Worten Raum für Mitgefühl.

(erst "Chrysanthemum" 10/16, Hrsg.: Beate Conrad)

Monogramm

It is getting colder. There should be even snow in the mountains. But the rain remains rain. Within sight of the Vézère — the rustle of leaves.

He transmits the carefully crafted text into the laptop, cuts back to regular length, fills the first card with blazing words, squeezes great artifacts into tiny letters: Lascaux II, the horse that lies on its back.

He copies the second card from the first, the third from the second, at the fourth, he notices that one of the phrases has become a life of its own. What could have belonged to a sheep, shall now be one of its own. A difference so fine that the sheep remains unsettled at the beginning of the line.

“Goats,” she says, “and deer. No sheep.”

In this manner, on the fifth card, the almost sheep mutates into a deer. On its back there is now a cow.

“Horse”, she says. He sighs. In addition, the fifth card is smaller than the previous ones, and no space is left for the greeting. “G.” fits in just yet.

“If you had left out the cow, your friends would at least know what sheep sent them a postcard. Now they might think I did.”

Same initials
a small
stolen spoon

The sixth card is addressed to the recently widowed cousin. A shorter text between the words space for compassion.

(erst "Chrysanthemum" 10/16, Hrsg. und Übersetzung: Beate Conrad)

Glorien

Schwere, schwarze Wolken, Stockschirme. Es hat aufgehört zu regnen. Auch ich stütze mich, sinke mit den Absätzen ins nasse Moos. Unterm Vordach nehmen sie bereits die Hussen ab, räumen Stühle weg. Die Träger ziehen ihre weißen Handschuhe aus. Viel kleiner sind ihre Hände jetzt. Wie von Geisterhand gleitet der Sarg in die Tiefe. Elektronisch! Alle Blicke lasten auf dem Smartphone. Dann bricht die Sonne durch. Noch einmal der Chor. Der Pfarrer hebt die Arme.

zwei Ringe nun
irisierend wie nie
ein Spiegelbogen

(erst "Sommergras" 113, 6/2016, Hrsg.: Deutsche Haiku-Gesellschaft)

Kurrent

Seit Jahren sind wir Nachbarn, die Rosensteins und ich. In letzter Zeit ist es schlimmer geworden mit ihr.
Mehrmals hat sie mich gefragt, wer ich bin. Den Zugangscode zu ihrer Wohnung kann sie sich auch schlecht merken.
Da steht sie, tippt auf der Tatstatur herum. Die Tür bleibt geschlossen. Hilflos schaut sie mich an.
„Mein Mann muss den Code geändert haben“, schmollt sie. „Ich komm’ nicht rein.“
„Ja, Frau Rosenstein“, nicke ich. „Er hat Ihren Hochzeitstag eingegeben.“
Sie wendet sich wieder der Tastatur zu, hebt die Hand, lässt sie sinken, dreht sich zu mir um, fragt:
„Und wann, junger Mann, haben wir geheiratet?“

Halbmond
versuchsweise malt sie
ein „z“ in Kurrent

(erst "Sommergras" 112, 3/2016, Hrsg.: Deutsche Haiku-Gesellschaft)

Was fehlt

An der Wand April — ohne Foto. Liebevoll hat er den Tisch dekoriert, ein Gedeck zu viel.
„Den Kuchen habe ich selbst gebacken. Die Mirabellen aus unserem Garten hat Inge eingefroren.“
Auf dem Schreibtisch seiner vor knapp vier Jahren verstorbenen Frau ist noch August.

Blues Harfe —
er komplettiert
die Oktave

(erst Chrysanthemum 4/2015 Hrsg. Beate Conrad)

What is missing

On the wall April — no photography. With love he has decorated the table, one set too many.
”I've baked the cake myself. The yellow plums from our garden were frozen by Inge.“
On the desk of his wife, who passed away almost four years ago, it's still August.

Blues harp —
he completes
the octave

(erst Chrysanthemum 4/2015 Hrsg. + Übersetzung Beate Conrad)

nichts

Sonntagnachmittag, Diez an der Lahn. Gemächlich steigen wir die Gassen hinauf zum Grafenschloss, in dem sich heute eine Jugendherberge befindet. Bis zu seiner Schließung im Jahr 1935 bestand hier ein deutsch-israelitisches Kinderheim. Eine Gedenktafel erinnert an die Vertreibung und Deportation der 41 Kinder und ihrer Erzieherinnen am 20. August 1935. Eine Nacht und Nebelaktion, die einem heute noch das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Es wird früh dunkel. Die Treppe zur Altstadt ist steil und baufällig. Von unten kommt uns ein Mann mit zwei Buben entgegen. Ein Vater, der heute Besuchsrecht hat? „Immer bringst du uns nichts mit“, empört sich der kleinere lautstark, bis seine Stimme kippt.

stolpern
die Sterne gar nicht mehr
schön

(erst "Sommergras" 105, 6/2014, Hrsg.: Deutsche Haiku-Gesellschaft)

ausgebrannt

Im leeren Wartezimmer finde ich endlich Gelegenheit, meine Gedanken zu sortieren. Fieberhaft suche ich einen Stift, einen Zettel. Beides gefunden. Werde ruhiger, regungslos, leer. Mein schlaffer Blick hängt aus dem Fenster.

Die Auslage des Immobilienmaklers prall gefüllt.

Haarnadelkurven
zwischen Zeige- und Mittelfinger
ein Rest Glut

(erst "Sommergras" 101, 6/2013, Hrsg.: Deutsche Haiku-Gesellschaft)

Manga

Ausgreifende Schritte. Jemand tritt an den Beckenrand. Kurzes, blondes Haar, dunkler Ansatz, Geheimratsecken. Über einem rosa Badeanzug ein Kindergesicht.

Später, in der Damendusche. Dicht vorm Spiegel fummelt jemand - nackt bis zur Taille - an den Ohren herum. Wohlgeformte Brüste, um die Warzen kreisrunde Narben, die sich senkrecht nach unten verlieren. Der rosa Badeanzug zwischen den sehnigen Schenkeln ausgebeult.

Eine tiefe Stimme erklärt den Umstehenden mit leuchtenden Augen, wie schwierig es doch ist, Ohrgehänge zu befestigen.

blutrote Tropfen
eine Cuvée aus
Domina und Regent

(erst Mitgliederversammlung 25 Jahre DHG, Juni 2013 in Ochtrup)

die Fleißige

Die Blase drückt. Habe ich auch alle Geschenke? Hoffentlich ist die Gans nicht schwarz geworden.

Bing Crosbys W. C.
im Scheinwerferlicht:
die Fleißige

(erst "Jubiläumsausgabe 25 Jahre DHG"; Hrsg. Georges Hartmann)

das Herz

Immer wieder haben wir das Treffen verschoben. Zuletzt wurden die Telefonate selten. Meine Mails sind noch immer als Entwürfe gespeichert. Gestern kam die Karte mit dem schwarzen Rand. Ich lege das Foto von unserer Einschulung zurück in die Lade.

dicht überm Boden
zusammengewachsen
ganz schwach: das Herz

(erst Sommergras 100, 3/2013, Hrsg.: Deutsche Haiku-Gesellschaft)

ein Gesicht

"Nun, ich habe Probleme mit dem Rücken und Karen mit dem Kopf", antwortete mein alter Freund auf meine am Telefon gestellte Frage, wie es ihnen denn gehe. "Mit dem Kopf?" hakte ich nach, denn hiervon hörte ich zum ersten Mal.
"Alzheimer halt", lautete die lapidare Antwort.
Da musste ich erstmal schlucken. Alzheimer halt. Aber im Freundeskreis? So nah? Da bekommt eine Diagnose ein Gesicht.
Kurz darauf, einige Tage nach Karens Geburtstag rufe ich wieder an. Nach dem üblichen "Glück und Gesundheit" frage ich: "Habt ihr schön gefeiert?" "Gefeiert?" überlegt sie. "Nein - wir waren im . . . Peter - wo waren wir?"
"Im Musical", antwortet dieser.
"Ja, im Musical", wiederholt sie lebhaft. "Es war wunderbar! Nur viel zu laut. Und stell dir vor: Sämtliche Darsteller haben auswendig gesungen!"

Placebo
in der Brandung fehlt
das tiefe Blau

(erst Chrysanthemum 10/2012 Hrsg. Beate Conrad)

a face

"Well, I have back problems and Karen has hers with the head", my old friend answers my question on the phone, how they were.
"With the head?" I kept asking, because I heard about it for the first time.
"Just Alzheimer's", his lapidary reply.
At that point I had to swallow. Just Alzheimer. But among friends? So close? With that, diagnosis is getting a face.
Later, a few days after Karen's birthday, I call again.
After the usual "happiness and health" I inquire: " And you had a nice birth-day-party, right?"
"Party?" she aks hesitating. "No - we were out ... Peter - where were we?"
"At the musical", he replies.
"Yes, at the musical", she repeats now lively again. "It was wonderful! Way too noisy, though. And imagine: All actors sang by memory."

Placebo
the breakers lack
the deep blue

(erst und Übersetzung: Chrysanthemum 10/2012, Hrsg. Beate Conrad)

mit drei Steinen

Ich war ein Kind, als mein Vater mich Mühle lehrte. Seine Taktik war Festsetzen. Da floss manche Träne, weil ich gar nicht erst dazu kam, meine Strategie anzuwenden. In der Konfirmandenfreizeit spielte ich dann gegen den Herrn Pfarrer Mühle mit drei Steinen. Meinen Trick hat er nicht durchschaut.

Finde ich heute Zeit, löse ich Sudoku.

 

 

 

Ausdruckstanz

 

 

 

 

zwischen ihnen

 

 

 

 

die zweite Haut

 

 

 

 

in seiner Hand

 

 

 

 

ein nasses Küken
 

 

 

Schaltjahr

 

 

Ukiyo-E

 

 

 

 

sie lacht

 

 

und dann ist es aus

(erst: Sommergras 99, 12/2012, Hrsg.: Deutsche Haiku-Gesellschaft)

jenseits

Sonntagnachmittag, es regnet. Sämtliche Schranktüren sind geöffnet, Schubladen herausgezogen. Auf der Erde türmen sich ungeliebte Kleidungsstücke und Altpapier. Jenseits der Wolken entfernt sich ein Jet. Ganz hinten im Schreibtisch klemmt ein schwarzes Notizbuch, die Schnittkanten blau geädert. Leere, linierte Seiten, die ersten sechs Blätter herausgerissen.
Fünf der verbliebenen Hälften liegen lose im Heft, eine klammert sich an den Faden. Hier und da ein Stückchen Buchstabe.
Auf dem Vorblatt Vaters Schrift:

           Innerdienstliche Anordnung:

          Bei Flugzeugabsturz
          telefonisch an Flugrettungsdienst Ramstein
          Verbindungskommando der Luftwaffe
          Landstuhl 44385
          Mitteilung machen


(erst Sommergras 96, 3/2012, Hrsg.: Deutsche Haiku-Gesellschaft)

Haibun
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